Archive for the 'Allgemein' Category

ExKa Nachlese am 9.12.: “Wer will hier das Chemnitz-Mitte-Feeling? Freirauminitiativen in Berlin und Chemnitz”

Shrinking & Global Cities: Wer will hier das Chemnitz-Mitte-Feeling?
Freirauminitiativen in Berlin und Chemnitz

Sind Akteure wie die des Experimentellen Karrees nur Helfershelfer von Stadtverwaltung und Wohnungsunternehmen beim Flicken der Krisenlöcher? Findet man sich schließlich in einer Stadt wieder, die man so doch gar nicht wollte? Oder bietet die aktuelle Wirtschaftsschwäche engagierten Raumpionieren reale, bisher ungeahnte Möglichkeiten bei der Inbesitznahme ehemals un- bzw. fehlgenutzter Räume? Worin liegen emanzipative Formen der Stadtteilarbeit in Shrinking ebenso wie in Global Cities? Um sich bietende Chancen auf Freiräume zu erkennen und zu nutzen, muss man die aktuellen Veränderungen verstehen. Dafür wollen wir an diesem Abend einen Beitrag leisten.

Es diskutieren: Andrej Holm (Sozialwissenschaftler/Universität Oldenburg, http://gentrificationblog.wordpress.com), “Wir bleiben alle!”-Aktivist_innen (Berlin) und ehemalige Akteure des “Experimentellen Karrees” (Reitbahnviertel/Chemnitz)

Kulturkaufhaus DAStietz Chemnitz, Veranstaltungsaal, 19.30 Uhr

Jugendliche mit hinreichend Taschengeld aufgepasst! GGG verteilt Salmiakpastillen im ExKa

Hallo,

Am Mittwoch, 6. Oktober, könnt Ihr Euch in der Reitbahnstraße 80/82 die frisch sanierten WG-Wohnungen und Zimmer anschaun.
In der Zeit von 15 – 18 Uhr beantworten wir gern alle Eure Fragen, geben Auskünfte zu den günstigen Mietkonditionen, der
4-wöchigen Kündigungsfrist und allem, was für ein sorgenfreies Wohnen während des Studiums wichtig ist.

Quelle: GGG

Dazu gibt es kostenlose Snacks, die gefürchteten GGG-SalmiakPastillen und ein Bretterdorf, was aussehen soll wie saniert.
Hungrige und interessierte treffen sich 15 Uhr vor der ReBa84.

Pressemitteilung: ExKa mahnt bessere Kontrolle der CDU-Fraktion an

Die Rathausfraktion der CDU hat die Umstände der Räumung des Experimentellen Karrees dazu genutzt, um endlich eine Breitseite gegen die dort engagierten jungen Leute und ihre Ideen in die öffentliche Diskussion zu feuern. (Pressemitteilung CDU-Fraktion Chemnitz)

Dabei bedient sich die CDU nicht nur falscher Tatsachen, sondern spekuliert auch darauf, dass bei der Chemnitzer Bevölkerung Ablehnung und Antipathie gegen die Verantwortlichen des ExKa erzeugt werden, wenn sie diese nur als rücksichtlose Chaoten ohne Respekt vor fremden Eigentum darstellt.

Damit bedient sich die CDU leider einer bekannten politischen Strategie, die nicht unwesentlich zum Verdruss der Menschen vor allem bezüglich der etablierten Parteien beiträgt: Wenn Du eine Idee nicht mit Argumenten widerlegen kannst, dann versuche, den Träger der Ideen schlecht aussehen zu lassen.

Fakt ist:
- Der Aus- und Umzug der Bewohner aus dem Experimentellen Karree an der Reitbahnstrasse wurde von diesen komplett privat finanziert.
- Ebenso wurde über die gesamte Zeit regulär Miete bezahlt.
- Weiterhin fiel die Räumung des ExKa mit einer Sperrmüllaktion im Stadtteil zusammen, daher mag der Eindruck entstanden sein, die Bewohner hätten ihren Müll rücksichtlos auf den Gehweg geworfen – mit der Realität hat dieser Vorwurf nichts zu tun.

Alle diese Informationen hätte die CDU-Fraktion kennen können, wenn es ihr um sachliche Kritik gegangen wäre und nicht darum, die Akteure des Experimentellen Karrees in ein schlechtes Licht zu rücken.

Die Substanzlosigkeit der Vorwürfe in ihrer Pressemitteilung sind ein weiterer Indiz dafür, wie schlecht sich die Partei offenbar in öffentlichen Angelegenheiten und den Vorgängen in Chemnitz auskennt und wie wenig ernst sie ihre Pflichten nimmt.

Daher fordern wir eine stärkere (Selbst-)Kontrolle der CDU-Fraktion, bevor wieder haltlose Vorwürfe in der Öffentlichkeit verbreitet werden.

Ende Neu: Exka auf Radio T

ENDE NEU – Die ReBa84 schließt die Pforten

Radio T-Studiogespräch, Donnerstag 09.09.2010, 20:00 Uhr

Eines der ausstrahlungsstärksten und medial beachtetsten Projekte der Stadt Chemnitz, die Reitbahnstraße 84, schließt am 20. September die Türen und wird zu dem, was es vorher war – eine Ruine.

Drei Jahre wurde an und in der ReBa84 die Beteiligung junger Menschen am Stadtumbau, der Umgang mit dem Häuserleerstand, die Suche nach eigenen Lebens-, Arbeits- und Bildungsformen öffentlich diskutiert und in Ansätzen gelebt. Aus dem Nichts entstand aus dem nicht näher benannten südlichen Zentrum plötzlich ein neuer Kiez – das Reitbahnviertel.

Schnittstelle zwischen Uni und Innenstadt, Heimat sozialer und kultureller Initiativen, Keimzelle der jungen Kreativwirtschaft. Doch der Traum vom Experimentellen Karree, vom Jugendstadtteil, vom blühenden (alternativen) Leben in der Innenstadt ist vorerst ausgeträumt. Die Raumpioniere von WKB und ExKa weichen dem äußeren Druck und teilen sich, den inneren Fliehkräften folgend, in drei neue Projekte an anderen Stellen auf. Zukünftig wird in den beiden alternativen Wohnprojekten Bernsdorfer Straße und Adelsbergstraße sowie in der vom Abriss bewahrten Eckruine Leipziger/Limbacher Straße einer neuer Anlauf versucht. Ist das Zerfall oder Vervielfältigung?

Im Gespräch mit Jörg philosophieren Dominik, Robin und Thomas, was bleiben wird und kommen könnte.

Zum Stream (klick!)

3sat Kulturzeit: Wie können schrumpfende Städte attraktiv werden?

Broschüre-Download: Partizipatives Stadtplanungsprojekt und Politikum “Experimentelles Karree”

Der zeitliche Abstand von Juni 2007 bis heute, von der Hausbesetzung in der Karl-Immermannstraße 23/25 bis zur Kündigung des Wohn- und Kulturprojekts Reba 84 in der Reitbahnstraße 84 seitens der städtischen GGGmbH, lässt es unsererseits, den Aktiven des Experimentellen Karree e.V., notwendig erscheinen, eine zusammenfassende Chronik dieses, wahrscheinlich für alle Parteien langwierigen, schwierigen und oft nicht durchschaubaren Prozesses zu erstellen. Wichtig ist uns dabei v.a. die Nachvollziehbarkeit der Handlungen der vielen unterschiedlichen AkteurInnen, zu ermöglichen. Eine komplexe Darstellung des Planungsprozesses steht aber noch aus. Zum Beispiel, die Frage, woran das Experimentelle Karree scheiterte und die AkteurInnen und IdeengeberInnen diesen Standort zum 30.06.2010 verlassen müssen? Und: Aus welchem Grund der Stadtratsbeschluss zur Reitbahnstraße 84 und dem Experimentellem Karree nicht umgesetzt wurde? ? Unter anderem.

Die vorliegende Chronik kann in ihrer Fragmentarität nur ein Baustein dafür sein, um dies künftig besser beantworten zu können. Als Ergänzung zu der Chronik empfehlen wir die im Juni 2009 vom ExKa e.V. gezogene Zwischenbilanz, mit Erörterungen zu den zutage getretenen Problemen während des Planungsprozesses – veröffentlicht in der Broschüre “Das Experimentelle Karree – Zum Stand der Dinge“. Bereits zu diesem Zeitpunkt, Sommer 2009, gab es keine von der städtischen Tochter gewollte Chance mehr für das ExKa am geplanten Standort. Hilfreich für ein tieferes Verständnis kann auch die im Anschluss der Chronik getroffene Auswahl von Presseberichten sein.

Der Verein Experimentelles Karree e.V., der sich zum Ziel gesetzt hatte, das Wohn- und Kulturprojekt Reba 84 (des WkB e.V´s), am Standort zu unterstützen und das leerstehende Karree entsprechend zu planen und mitzugestalten, sieht in der momentanen Situation, der Kündigung des WkB e.V.´s, seine Arbeitsgrundlage entzogen. Die untenstehende Auflistung markiert somit auch eine Art Bilanz der bisherigen Tätigkeiten beider Vereine.

Es ist klar, dass eine chronologische Aufreihung der Ereignisse anderer AkteurInnen, wie z.B. der GGGmbH, des Stadtplanungsamtes Chemnitz und der privaten Eigentümer, bestimmte Stichpunkte und Daten anders beschreiben oder hervorheben würden. Die hier vorliegende soll deshalb auch eine Aufforderung an die anderen Beteiligten sein, den Prozess zum jetzigen Zeitpunkt aufzuarbeiten.
Download der Broschüre (klick!)

Anmerkungen zum Interview mit Grit Stillger im ReitbahnBoten

Mit dem ReitbahnBoten hat unser Lieblings-Fördergebiet nun eine eigene Stadtteilzeitung. Nach eigener Auskunft hat es sich das Blättchen zum Ziel gesetzt, “die im Reitbahnviertel wohnenden und arbeitenden Bürger sowohl über die mit dem EFRE-Programm möglich werdenden Veränderungen als auch über weitere [sic!] Probleme, Sorgen, Nöte und Entwicklungen zu informieren.”

Im Anschluss an dieses möglicherweise unfreiwillige Eingeständnis darf Grit Stillger, Mitarbeiterin im Amt für Baukoordination, in der ersten und aktuellen Ausgabe der Zeitung zu den geplanten Vorhaben im Reitbahnviertel Stellung nehmen. Sicher hätte die Redaktion zum Thema Experimentelles Karree auch Informationen von den Akteuren selbst bekommen können. Da aber die Ideen des Exka e.V. allmählich auch unabhängig von seinen Mitgliedern und Sympathisanten auf Interesse in der Stadt stoßen, darf sich Frau Stillger, die mit den Ambitionen des Vereins schon länger betraut ist, zu Besagtem äußern.

Zwar verschlug es uns zunächst die Sprache, was sie da verlauten ließ. Schließlich schien es uns aber doch Wert, das Gesagte hier wiederzugeben und zu kommentieren. Auf die Frage nach dem gegenwärtigen Stand des Experimentellen Karrees antwortete Frau Stillger:

Ein Investor hat Bestände an der Fritz-Reuter-Straße gekauft und will die sanieren, diese Verpflichtung ist er bereits mit dem Kauf eingegangen. Die GGG ihrerseits muss dafür sorgen, dass sie die Reitbahnstraße 80-84 und den Bernsbachplatz 5 und 6 ebenfalls saniert, damit eine homogene Entwicklung im Karree erfolgt, die gegenseitige Konflikte ausschließt. Beide Eigentümer gehen das ab 2010 in unterschiedlichen Standards an. Dabei werden bei der GGG auch preiswerte, sanierte Wohnungen für Studenten oder WGs entstehen. Der Investor der Fritz-Reuter-Straße kann aber seine sanierten Wohnungen nicht verkaufen, wenn das ExKa in unmittelbarer Nachbarschaft sein Konzept verwirklicht. Deshalb haben wir in vielen und langen Gesprächen mit den ExKa-Akteuren nach Alternativen in unmittelbarer Nähe im Viertel gesucht und ihnen zunächst die Karl-Immermann-Straße 23/25 angeboten. Dort hätten sie ihren multikulturellen Teil realisieren können. Für das Wohnen wären die Reichenhainer Straße 6 bis 10 oder die Ritterstraße 13 geeignet gewesen. Die Stadt hätte sich auch um die Schrittweise Instandsetzung der Reichenhainer Str. 12 als Domizil für die Vereine bemüht. Letztendlich schlugen aber die jungen Leute alle Angebote aus, sie wollten alles unter einem Dach. Deshalb musste die GGG das Nutzungsverhältnis mit dem Verein ‘Wiederbelebung kulturellen Brachlands’ zum 30. Juni 2010 kündigen. Inzwischen hat sich aus einem Teil der Akteure ein neuer Verein namens ‘Casa Phantom’ gegründet, der sich auf der Adelsbergstraße angesiedelt hat. In die Erdgeschosszone der Reitbahnstraße 82-84 und des Bernsbachplatzes 5 und 6 werden nach der Sanierung durch die GGG der KulturTreff, die Gläsernen Werkstätten und eventuell noch weitere Kultur- und Szeneeinrichtungen einziehen. Interessenten können sich gern an das Stadtteilmanagement wenden.

Wir verstehen also richtig: Die Bemühungen des Exka e.V. um ein alternatives, bisweilen studentisches Wohn- und Kulturprojekt, mussten abgewickelt werden, weil diese der Entwicklung des Karrees in Einklang mit anderen Investoren im Wege standen. Die neuen Vorhaben im Karree von Seiten Stadt und GGG sind nun: Wohnungen für Studenten, Kultur- und Szeneeinrichtungen. und dafür werden Interessenten gesucht!

Wer diese auf den ersten Blick absurd erscheinenden Gedanken verstehen will, wird sich fragen müssen, auf welchen Unterschied es den Chemnitzer Stadtplanern bei der Abservierung eines bestehenden Kulturprojektes zugunsten eines neu zu schaffenden ankommt.

Selbstverständlich würde sich die Vermietung von Wohn- und Ladenfläche nach marktüblichen Preisen richten, die auch die bei der Sanierung angefallenen Investitionskosten berücksichtigen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass die Gebäudewirtschaft (GGG) hier ein großes Geschäft wittert, zumal die Auslastung der Wohneinheiten – noch durch das in den letzten Jahren entstandene Angebot an Mietwohnungen im Reitbahnviertel – begrenzt sein wird.

Es scheint vielmehr darum zu gehen, mit dem Experimentellen Karree einen Prozess zu stoppen, dessen Inhalte man aufgrund seines ausdrücklichen Charakters, nämlich ein urbanes Experiment zu sein, nicht unter Kontrolle hat; dessen Akteure sich in den letzten Jahren mit ihrer Kritik an der Stadtpolitik allerlei Gehör verschafft haben und die es bei dem Versuch der Durchsetzung ihrer Anliegen an Renitenz nicht haben mangeln lassen.

Dieser “Ausrutscher”, den sich die GGG mit der Vermietung der Reitbahnstraße 84 geleistet hat, unter der Annahme dass das Durchhaltevermögen des Projekts sowieso nicht von langer Dauer ist, würde mit einem Vermietungsneustart nicht noch einmal geschehen. Nicht nur weil marktübliche Mieten jedes Experiment verbieten. Auch darf davon ausgegangen werden, dass die künftigen Mieter der Ladenflächen den Konformitätsansprüchen der GGG genügen müssen – also konventionelles statt experimentelles Karree!

Es sieht ganz so aus, als wären die Konzepte, mit denen der Exka e.V. seine Projektidee bei GGG und Stadtplanung schmackhaft machen wollte, schließlich dort angekommen – zumindest was Schlagwörter wie Step Stone, Subkultur oder studentisches Milieu betrifft, denn von einem wirklichen Verständnis dieser Ideen kann keine Rede sein: Das Phänomen eines kreativen und engagierten Publikums rund um die Reitbahnstraße, in dem die Stadtplaner offensichtlich ein Indiz für lohnende Bemühungen in Sachen “Kultur- und Szeneeinrichtungen” sehen, folgt nämlich seiner eigene Dynamik, der man höchstens Schranken aus dem Weg räumen kann und sollte, die sich aber ansonsten einer Planung – noch dazu einer amtlichen bzw. geschäftlichen – entzieht. Gut denkbar also, dass sich derartige Anstrengungen von Seiten Stadt und GGG wieder einmal als Schuss in den Ofen erweisen.

Letzten Endes sind aber auch noch gehörige Zweifel darüber geboten, ob es sich bei den Verlautbarungen von Frau Stillger um ernsthafte Bemühungen handelt oder ob dabei bloß das aufbrausende Unverständnis in Bezug auf die Abwicklung des Experimentellen Karrees gedämpft werden soll. – Wie dem auch sei, für uns ist nichts dabei!

Artikel über das Exka in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

“28. Dezember 2009 Jemand wie Dominik Intelmann ist eine Seltenheit. Vor ein paar Jahren kehrte der Achtundzwanzigjährige nach Chemnitz zurück, in seinen Geburtsort. Dabei kennen die meisten jungen Chemnitzer ihre Heimatstadt nur noch aus der Ferne. Ein paar, die geblieben sind, schrauben an diesem Montagabend hinter großen Schaufenstern an Fahrrädern, ölen Ketten und wechseln Schläuche. Hinten an der Bar gibt es Bionade, Bier und selbstgebackenen Kuchen, ein junger Mann legt Platten auf, zwei andere spielen Tischkicker. Mittendrin steht Intelmann, reicht Werkzeug und gibt Tipps. Es ist kalt, aber doch irgendwie gemütlich.”
Den kompletten Artikel gibts HIER.

“Mit Lidl-Tüten gegen Luxus” (Artikel aus junge Welt)

Im Berliner Stadtteil Kreuzberg diskutierten Experten und Stadtteilaktivisten über Strategien gegen Mieterverdrängung. Linke-Vizeparteichefin Wawzyniak: Großes Kino.
Von Christian Linde

Der Berliner Stadtteil Kreuzberg wandelt sich. Mitte der neunziger Jahre verließen Menschen, die es sich leisten konnten, das Gebiet, heute drängen zahlungskräftige Haushalte geradezu in die ehemalige Hochburg der Hausbesetzer. Die Bewohner kämpfen mit erheblichen Mietsteigerungen; schicke Boutiquen und teure Bars eröffnen an jeder Ecke. Continue reading ‘“Mit Lidl-Tüten gegen Luxus” (Artikel aus junge Welt)’

Endlich: ExKa kommt!

Das für tot erklärte Experimentelle Karree startet nun überraschenderweise doch. Das Konzept wurde bereits vor 1 1/2 Jahren zusammen mit dem Stadtplanungsamt entwickelt und wurde mit einem Stadtratsbeschluss im November 2008 von kommunaler Seite gestärkt. Entgegen dieses Beschlusses, besiegelte jedoch die städtische Wohnungsgesellschaft GGG, deren die Liegenschaften gehören, und die Keilholz GmbH, welche Anrainer ist, im Mai 2009 eine gegenseitige Sanierungsvereinbarung. Bereits dieser Vorgang löste im Stadtrat eine Welle von Anfragen an die Stadtverwaltung aus (u.a. klick!), wobei der Eindruck eflyer_exkakommt_vorderseitentstand, dass Stadtratsbeschlüsse bewusst verunmöglicht wurden. In Zeiten von Stadtschrumpfung und Verödung ganzer Stadträume, ist dieses bewusste Ausbremsen des letzten Häufleins Kreativer zugunsten kurzfristiger, ökonomischer Handlungsziele ein gesamtstädtisches Fiasko.

Das ExKa soll der neue selbstgestaltete urbane Ort in Chemnitz werden. Hier treffen sich die Faktoren. Universität und Innenstadt, Prekariat und Geisteswissenschaft, Abriss und Abenteuer.
Das Projekt könnte eine Möglichkeit sein, den Bewohnern der Stadt extraordinäre Lebensqualität zu verschaffen und zumindest an die Idee von Dresden-Neustadt etc. anzuknüpfen. Verschiedene studentische Miniprojekte warten darauf, dass es losgehen kann: Vom Wohnzimmerkino über die Druckwerkstatt bis hin zu eine Fahrradselbsthilfewerkstatt wird alles selbst konzipiert und selbst verwaltet. All dies fällt über eine verschlafene Stadt her, die es nicht mehr gewöhnt ist, dass ihre Bewohner einen Anspruch auf die Ruinenlandschaft erheben. Denn gerade darin (und nur darin) kann der Reiz eines Gebildes wie Chemnitz liegen. Das Abenteuer heisst nonkommerzielle Aneignung und Nutzung für die kleinen Utopien und Freiheiten, die es in prosperierenden Städten schon längst nicht mehr gibt.

Der ursprüngliche Plan, die Reitbahnstrasse 80-82 und den Rest des Karrees zu nutzen, ist jedoch hinfällig, da die GGG die jahrelang leer stehenden Gebäude nunmehr selbst zur studentischen Wohneinrichtung „mit entsprechendem Gewerbe“ entwickeln möchte. Freilich unter ihrer Planungshoheit und mit den daraus resultierenden und bekannten Folgen (wahlweise GGG-Campus Gustav-Freytag-Strasse oder Brühl).
Stattdessen zieht, um die Verwirrung zu steigern, das Experimentelle Karree zunächst mit in die Reitbahnstrasse 84, die bereits das Wohn- und Kulturprojekt beherbergt.
Die verfahrene Situation wird endlich gewendet: Die Akteure beginnen einfach mit dem, was sie können, und was die beschränkten Räumlichkeiten zulassen.
Neben der Volksküche am Donnerstagabend, gibt es einen zweiwöchig stattfindenden Sonntagsbrunch, eine wöchentliche kostenfreie Fahrradselbsthilfewerkstatt, eine Galerie für Autofahrer , ein Kinoprojekt , eine Druckwerkstatt, und einen Umsonstladen. Weitere Projekte sind angedacht, wenn die Nutzung der angrenzenden, leer stehenden Gebäude, vom städtischen Eigentümer ermöglicht wird. Zur Einbindung neuer Akteure, für Öffentlichkeitsarbeit und für die Koordination der Arbeit des ExKa e.V. sind bereits vor einem Jahr EFRE-Mittel (Europäische Förderung für regionale Entwicklung) beantragt wurden, die, leider, zuletzt scheinbar der einzige Grund gewesen sind, sich Seitens der Stadt mit dem Projekt überhaupt noch zu beschäftigen. Traurig für eine solch problembehaftete und defizitäre Stadt, dass sie nicht merkt, dass sie den Schuss nicht gehört hat. Aber dafür sind ja wir alle da.

ExKa Termine:

Jeden Montag, 16 bis 19 Uhr: kostenlose Fahrradselbsthilfewerkstatt

29.11./6.12./20.12. Sonntagsbrunch – Buffet und Kinderspaß

29.11. – 30.12. Boryana Rossa : Bootleg garden – Ausstellung hinter den Schaufenstern

7.12., 19.30 ExKa – wie geht´s weiter, Infoabend

8.12., 20.00 Buntes Kurzfilm-Kaleidoskop

21.12., 19.00 Spieltrieb – ein Spieleabend jenseits von Mensch-ärgere-dich-nicht und Siedler